Erstmal vorweg: Ich fahre jetzt seit 28 Jahren Auto (und habe niemals eines besessen) und bin in dieser Zeit niemals in eine Polizeikontrolle geraten. Bis ich vorletzte Woche auf der Nordinsel meinen Führerschein zeigen musste. Im Grunde war das gut, denn gegenüber der Kontrolle gab es ein Cafe mit tiefschwarzer Materie. Der Kaffee war auch nicht übel.
Heute musste ich einen also Alkoholtest machen. Ich! Also auch ich. Und noch ein paar andere hundert. Hier stellt sich die Polizei einfach mitten auf die Straße und hält jeden an, der vorbeifährt. Da wird nicht gefragt, haben sie getrunken?, zeigen sie mal den Führerschein… Nein, hier heißt es einfach: hi, blasen sie mal hier rein. Der Test war übrigens negativ.
Eigentlich wollte ich ja etwas über heute morgen schreiben, die schöne Wanderung an Cape Foulwind und die obligatorischen Seals. Oder das schöne Picknick im Anschluss daran. Aber was soll’s, das ist eine andere Geschichte.

Ich habe heute einen alten Gedanken verworfen. Ich müsste so 14 gewesen sein, als ich den Herrn der Ringe gelesen habe. Ich kann mich noch erinnern, wie ich zu dem Buch kam. Ich war vorher mit meinem Onkel Werner im Kino, es gab David Lynchs „Der Wűstenplanet“ und ich war total begeistert. Ich habe den Film dann übrigens allen weiterempfohlen, ein Fehler. Einige meiner Freunde wollen mich nicht mehr sehen, ihnen war der Film zu langweilig (ok, er hat seine Längen, für mich ist er aber Kult). Ich bin nach dem Film in die Buchhandlung und habe den Roman gekauft. Auf dem Klappentext äußerte sich Isaac Asimov (von dem ich schon viel gelesen hatte und der mir als Ratgeber überzeugend erschien) und schrieb: Außer dem „Herrn der Ringe“ habe ich noch nie etwas vergleichbares gelesen. (Ich merke, ich schweife ab). Das Buch wurde dann Weihnachten geliefert und ich habe den ganzen ersten Weihnachtsfeiertag im Bett verbracht und das Buch verschlungen. Den zweiten Feiertag habe ich dann verflucht, der Buchladen hatte zu und mir war vor meiner Wunschzettelbestellung nicht bewusst, dass es einen zweiten und dritten Teil gab.
Jedenfalls habe ich mir damals vorgenommen, niemals und unter keinen Umständen unbewaffnet, ohne Licht und ohne kampferprobter Gesellen (mindestens einer Horde Zwerge und einem Zauberer) eine Höhle zu betreten. Orks, Bergtrolle, Drachen oder sonstige finstere Gestalten wohnen darin und alle wollen mein Leben. Nachdem ich übrigens Walter Moers gelesen hatte, war mir klar, dass Trolle noch das geringste Problem darstellen. Wer beschützt mich vor Berghutzen oder mordenden Büchern?
Zum Glück konnte ich mich heute auch noch an Brecht erinnern: Wer A sagt muss nicht B sagen, er kann auch erkennen, dass A falsch war. Also bin ich in die Höhle gegangen. Meine Frau behauptet übrigens, es sei gar keine Höhle gewesen, sondern ein Durchgang, weil man ja das Ende sehen konnte. Ich fand’s trotzdem hőhlenhaft. (Außerdem hätte dann die schöne Hinleitung zur Wanderung gefehlt).
Wir sind also am Nachmittag den „Charming Creek Walk“ gelaufen. Der Parkplatz lag an einer Kohlehalde und der Weg hatte damit eine Menge zu tun. Wir folgten nämlich einer alten Bahnstrecke, mit der früher die Kohle aus dem Abbaugebiet transportiert wurde. Die Strecke ist längst aufgegeben, die Schienen liegen aber noch. Der Weg folgt einem Fluss und man kann sich gar nicht verlaufen (man hätte die Schienen also gar nicht liegengelassen müssen), denn auf der anderen Seite des Weges geht es steil den Berg hoch. Teilweise erinnert das ein wenig an die Rotwand.
Bis zur ersten Station erschien alles recht unaufgeregt, ein Wanderweg halt. Doch dann wurde es spannend. Mehrere Schilder fordern auf nicht stehen zu bleiben (erhöhte Steinschlaggefahr), eines weist auf drohende Schlammlawinen hin. Die Schienen waren plötzlich weg (ich konnte sie dann 30 Meter tiefer im Fluss liegen sehen) und dann… die Höhle. Also der Tunnel. Ok, man konnte den Ausgang sehen, aber drinnen war es so finster, dass man den Boden nicht erkennen konnte.
Anschließend fing der Berg an zu tropfen. Ganz feine Wassertropfen, fast so, als ob man unter einem Wasserfall durchgeht. Und dann: die Hängebrűcke.
Die Eisenbahnbrűcke war eingestürzt, eine Hängebrűcke bringt den geneigten Wanderer auf die andere Seite (Radfahrer werden übrigens höflich gebeten abzusteigen). Auf der Brücke kann man rechterhand dann schon das Ziel der Wanderung erkennen: ein Wasserfall.
Auf der Brücke stehend kann man ihn nicht fotografieren, dafür schwankt die Brücke zu sehr. Ein paar Meter weiter oben geht das dann schon, man muss nur schnell arbeiten, von überall tropft es.
Weg dann wird beschrieben zurück. Hier haben wir dann doch noch zwei komische Gestalten getroffen. Ich schätze, sie waren so um die acht Jahre alt, auf sehr soliden Fahrrädern unterwegs und sie trugen Gummistiefel, die ihnen bis über die Knie reichten. Auf kampferprobte Hilfe konnte also verzichtet werden.
Morgen geht es nach Greymouth, die Fahrt dorthin soll toll sein, aus einem fahrenden Auto zu fotografieren ist ähnlich schwer wie von einer Hängebrűcke.

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